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Der zivile Weg zum Stadtteilzentrum

Schon im städtebaulichen Ideenwettbewerb für das Quartier Vauban Anfang der neunziger Jahre war der Vorschlag entwickelt worden, im Bereich des Hauses 037 ein Stadtteilzentrum einzurichten. Aus finanziellen Erwägungen heraus wurde die Idee aber verworfen: anstelle von Marktplatz und Haus 037 war Wohnbebauung geplant, um das Gelände zu vermarkten.

Das Forum Vauban als damaliger Träger der Bürgerbeteiligung hat zusammen mit weiteren Initiativen aber immer wieder auf die Notwendigkeit eines solchen “Zentrums in der Mitte” für die gesunde soziale Entwicklung des Stadtteils gepocht. Schließlich hat der Gemeinderat 1997 die Einrichtung eines “Bürgerhauses” als Entwicklungsziel für den Stadtteil beschlossen. Stadtverwaltung und Bürgerschaft waren sich aber keineswegs einig, dass dazu Haus 037 erhalten werden sollte. Die Erhaltung des Hauses, 1937 als Wirtschaftsgebäude für die damalige Schlageter-Kaserne erbaut, entsprach nicht der Linie der Stadtverwaltung bei der Entwicklung des neuen Stadtteils. Aber Haus 037 hat nicht nur eine erhaltenswerte massive Bausubstanz mit circa 1740 qm Nutzfläche vorzuweisen, sondern eignet sich auch von den Raumzuschnitten her besonders gut für eine Nutzung als Stadtteilzentrum.

Die Pläne für ein von den Stadtteilbewohnern getragenes und verwaltetes Zentrum für das soziale und kulturelle Leben des Quartiers in Haus 037 reiften in den folgenden Jahren heran. Ende 1999 wurde der Stadt Freiburg vom Forum Vauban ein Konzept vorgestellt, das dem Projekt nun zugrunde liegt.

Im Mai 2000 legten die BewohnerInnen des Stadtteils in einem Workshop des Forum Vauban die zukünftigen Nutzungen fest. Aber erst nach langwierigen Verhandlungen und massivem Drängen des Gemeinderats legte die Stadtverwaltung im Sommer 2001 das Projekt dem Gemeinderat zum Beschluss vor. Damit stand endgültig fest, dass Haus 037 als Stadtteilzentrum erhalten bleibt.

Als Trägerverein wurde dann im Juli 2001 der Stadtteilzentrum Vauban 037 e.V. gegründet. Dieser Verein hat im November 2001 mit der Stadt Freiburg einen Erbpachtvertrag, einen Vertrag über den Investitionskostenzuschuss und einen Vertrag über die Nutzung der Räumlichkeiten im Haus geschlossen. Der Grundstein war gelegt und das Haus wechselte für 1 DM (0,51 €) den Eigentümer.


Ein Haus für alle Fälle

Für den Namen gab es etliche Vorschläge: Bürgerhaus, Nachbarschaftstreff oder Stadtteilzentrum waren die Favoriten. Letztendlich hatten aber alle Beteiligten dasselbe im Kopf: es muss Raum geschaffen werden für soziales und kulturelles Leben in der Mitte des Stadtteils. Außerdem soll sicher sein, dass die Einrichtung auf Dauer genutzt wird und die Bewohner des Stadtteils in ihr ein eigenes Projekt sehen: das Herz des Stadtteils soll kräftig schlagen.

Selbstverwaltung durch das Quartier: Haus 037 steht in Trägerschaft des Stadtteilzentrum Vauban 037 e.V., der von Leuten aus dem Stadtteil gegründet wurde und in dem jede und jeder aus Vauban sich einbringen kann. So bekommen alle die Chance, ihr Haus mitzugestalten.

Sanfter Umbau: beim Umbau wird wesentlich auf den Bestand des Hauses gesetzt. Da dieser durch die Errichtung als Wirtschaftsgebäude der Kaserne schon eine gute Grundlage bietet, sind in großen Bereichen keine Eingriffe in den Grundriss nötig.

Schonung von Ressourcen: durch den Umbau des Hauses werden beinahe zehn mal weniger stoffliche Ressourcen verbraucht als bei einem Passivhaus-Neubau in entsprechender Größe. Vergleicht man die SO2-Emissionen bei Umbau und Passivhaus-Neubau, könnte man Haus 037 neu gedämmt noch 80 Jahre nutzen, bis die durch einen Neubau in Passivhausbauweise entstehende Belastung erreicht wäre.

Energie vom Dach: auf der nach Süden ausgerichteten Dachfläche wurde eine Gemeinschafts-Photovoltaikanlage mit einem Ertrag von ca. 13600 kWh/Jahr installiert, an der sich Anleger beteiligen konnten.

Abbau von Schwellen: der Umbau in ein barrierefreies Gebäude wird Haus 037 allen Personen auf allen Etagen öffnen.

Ein Haus für Generationen: derzeit brauchen Kindertagesstätte und Jugendarbeit ihren Raum, in der Zukunft werden auch Senioren hier Räume suchen und finden. So wird sich das Haus mit dem Bedarf entwickeln und ein lebendiger Verknüpfungspunkt im Quartier bleiben.

Sicher wird der hohe Kinderanteil des Vauban in den kommenden Jahren einen Nutzungsschwerpunkt setzen: zweigruppige Kindertagesstätte, Spielgruppe der Familieninitiative Lindenblüte und Räume für die offene Jugendarbeit finden in Haus 037 ihren Platz. Für den Anfang ist zusammen mit den BewohnerInnen ein Raumprogramm erarbeitet worden, das mit der Stadt Freiburg abgestimmt wurde. Und das sieht so aus:

DG Spielgruppe offenes Atelier Familienzentrum Kirchen Raum der Stille
OG Jugendräume Stadtteilsaal Konferenzraum Stadtteilbüro  
EG Gaststätte   Kindertagesstätte    
KG Jugendräume Musikräume Lager Hausmeisterei Haustechnik

Mit Leben gefüllt wird das Haus durch die Initiativen und Institutionen, die für diese Nutzungen vom Stadtteilzentrum Vauban 037 e.V. die Räume anmieten. Der Stadtteilzentrum Vauban 037 e.V. trägt Haus 037, verwaltet es und steht auch der Stadt Freiburg gegenüber dafür ein, dass das Haus als sozio-kulturelles Zentrum genutzt wird. Er arbeitet eng mit dem Stadtteilverein Vauban als Vertretung des bürgerschaftlichen Engagements im Stadtteil zusammen. Damit der Verein dem Anspruch an ein lebendiges Stadtteilzentrum gerecht werden kann, müssen angesichts der knappen Kassen im sozialen und kulturellen Bereich die Mieten möglichst gering gehalten werden. Der Verein selbst arbeitet nicht gewinnorientiert und wird nur zur Deckung der anfallenden Bewirtschaftungs- und Finanzierungskosten Mieten einnehmen.


Finanzierung

Die Renovierung wird etwa 1,35 Mio € kosten. Das ist zwar weniger als die Hälfte der Kosten eines vergleichbar großen Neubaus, aber eine Stange Geld. Der größte Teil dieser Summe, etwa 900.000 €, wird aus Mitteln der Entwicklungsmaßnahme Vauban bereitgestellt, die sich aus den Grundstücksverkäufen im Stadtteil speist. Der Rest, 450.000 €, muss durch den Stadtteilzentrum Vauban 037 e.V. aufgebracht werden. Da der Verein nicht über Eigenmittel verfügt, muss diese Summe als Darlehen aufgenommen werden. Startdarlehen haben die SUSI gGmbH, die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Freiburg und die Genova e.G. gegeben.

Die Darlehen werden sich allein über die Mieten finanzieren müssen. Damit aber diese Mieten für alle Nutzer erschwinglich sind, soll die Darlehensfinanzierung möglichst günstig gestaltet werden. Dafür greifen wir zu einem Teil auf Direktkredite und zum anderen Teil auf Darlehen der GLS-Bank zurück. Durch die Aufnahme von Direktkrediten sparen wir uns die Bankmargen im Kreditgeschäft. Die Anleger haben auch etwas davon: sie wissen genau, was sie mit ihrem Geld fördern.