architektonische bewertung von 1999

Baubeschreibung, Bestandsaufnahme und architektonische Bewertung – ein Text von 1999, dessen Inhalt Grundlage des Umbaus wurde

Die zentrale Lage von Haus 037 in der Mitte des neu entstehenden Modell-Stadtteils Vauban bietet aus stadtplanerischer Sicht ideale Voraussetzungen für die geplante Nutzung als zukünftiges Stadtteilzentrum.

Das Gebäude wurde im Jahre 1937 als Wirtschaftsgebäude der damals neu gegründeten Schlageter-Kaserne in massiver Ziegelbauweise erstellt. Dieser Gebäudetyp besitzt nicht den sonst bei den häufiger vorkommenden Mannschaftsgebäuden üblichen Mittelflur.

Die vorhandene Raumstruktur in den einzelnen Stockwerken läßt viele verschiedene Nutzungsmöglichkeiten zu. Es werden nur minimale Grundrißänderungen erforderlich. Die bestehende Erschließung durch drei Treppenhäuser und fünf Hauseingänge bietet alle baurechtlich erforderlichen Fluchtwege und kommt besonders auch den konzeptionell vorgesehenen Mehrfachnutzungen der Räumlichkeiten entgegen. Die baulichen Gegeben-heiten ermöglichen eine kostengünstige und bedarfsgerechte Umnutzung sowie das Einbringen von Eigenleistung / Selbsthilfe der zukünftigen NutzerInnen.

Die Nachbarschaft von Haus 037 besteht aus folgenden Nutzungen:

Südseite: Marktplatz in der Stadtteilmitte Vauban (Alfred-Döblin-Platz)
Nordseite: Kinderspielwiese eingesäumt von schützenswertem Baumbestand und weiter nördlich Wohnungs-Neubauten (“Heinrich-Mann-Straße”)
Westseite: Genossenschaft Vauban und private Baugruppen in Neubauten
Ostseite: Wohnhäuser des SUSI-Selbsthilfeprojektes in umgenutzten und modernisierten Mannschaftsgebäuden und das sogenannte Studentendorf, auch in ehemaligen Mannschaftsgebäuden und in Neubauten

Kurzbeschreibung des Gebäudes 037

Baujahr: 1937
umbauter Raum: ca. 9.000 cbm
Überbaute Grundfläche: Länge x Breite = 44.00 m x 16.00 m = 704 qm
Zurechenbare Grundstücksfläche (incl. Kita-Wiese +Spielplatz im Norden) max. 2200 qm
Nettogeschoßfläche: ca. 2050 qm
Die Nutzfläche im EG, OG und DG beträgt insgesamt: ca.1400 qm,
im KG: ca. 400 qm; Massivbauweise, voll unterkellert, 38 cm starkes Ziegelmauerwerk, gesund bzw. trocken
Dachform: Walmdach mit 40° und 50° Dachneigung; 16 Gauben, noch intakt aber renovierungsbedürftig
Dachstuhl: sehr gut erhaltene Holzkonstruktion ( sog. liegendes Pfettendach)
Dachhaut: Biberschwanz-Doppeldeckung, dicht und gut erhalten
Dachrinnen und Regenfallrohre: momentan noch intakt
Fassade: Außenputz ist noch intakt, wird aber im Zuge des geplanten Vollwärmeschutzes erneuert
Innenputz: im Obergeschoß in gutem Zustand, im Erdgeschoß (Osthälfte) und im Dachgeschoß teilweise renovierungsbedürftig
Heizung: Unterstation im Keller, Baujahr 1989, voll funktionstüchtig.
Vorhandene Wärmeversorgung im Nahwärmeverbund über die Heizzentrale und das Pflanzenöl- BHKW von der SUSI gGmbH. Heizkörper fast im ganzen Haus (außer im Keller) vorhanden, gut erhalten und funktionstüchtig, nur die Heizkörper im DG sind momentan abgehängt
Sanitäranlagen: Die sanitären Anlagen sind im Erdgeschoß und Obergeschoß vorhanden, die komplette Renovierung dieser Sanitärbereiche ist geplant, im Dachgeschoß sind zusätzliche Sanitäranlagen vorgesehen.
Elektrizität: neuer Hausanschluß incl. Übergabestation durch FEW im Jahre 1993. Fast alle vorhandenen Elektroinstallationen entsprechen den üblichen Sicherheitsvorschriften, jedoch werden für die geplanten Nutzungen einige Elektroarbeiten erforderlich sein

Die vorhandenen großen Holzfenster, teilweise mit Verbundverglasung, sind vorerst noch tauglich, sollten jedoch baldmöglichst gegen neue Fenster mit Wärmeschutz-verglasung und teilweise auch mit Schallschutzverglasung ausgetauscht werden. In der Kindertagesstätte im Erdgeschoß wurden bereits einige neue Fenster mit Wärmeschutzverglasung von dem gemeinnützigen “Verein Eltern für freies Lernen”; auf eigene Kosten eingebaut.
Auf dem Dach wurden gemeinsam durch den Forum Vauban e.V. und den Verein Eltern für freies Lernen“, bereits Sonnenkollektoren zur Erwärmung des Brauchwassers für das EG & OG installiert.
Die ehemalige Kanalisation auf der Nordseite des Gebäudes wurde im Auftrag der städtischen Geschäftsstelle Vauban entfernt, weshalb momentan nur noch der Abwasser-kanal entlang der Südseite nutzbar ist.

Um das Gebäude 037 wie geplant auf allen Etagen barrierefrei auszugestalten wird ein entsprechender Aufzug bis in das Dachgeschoß erforderlich. Da bisher nur auf der Südseite in Richtung Marktplatz noch keine ausreichende Erschließung vorhanden ist, bietet es sich an, dieses Defizit dort durch eine Erschließungsgalerie mit Aufzuganlage zu beheben. Somit wird neben der Barrierefreiheit auch die städtebaulich gewünschte Öffnung und Orientierung zum Marktplatz erreicht. Darüber hinaus ist die Optimierung des Schallschutzes ein wichtiges Ziel unserer Planung. Eine verglaste Erschließungsgalerie im Bereich des Stadtteilsaales hätte eine Pufferwirkung und würde somit den Schall- und Wärmeschutz wesentlich verbessern und auch den jetzigen Haupteingang auf der Nordseite entlasten. Diesen Plänen steht jedoch momentan noch das Problem entgegen, daß entlang der Südfassade im Zuge der Bebauungsplanänderung nachträglich eine Leitungstrasse mit Leitungsrechten seitens der FEW eingeplant wurde. Dieser Sachverhalt sollte im Bebauungsplan unbedingt entsprechend berücksichtigt werden, da der geplante Schallschutz und die Orientierung zum Marktplatz sehr wichtige Bausteine für das Gelingen der Nutzungen im Stadtteilzentrum sein werden.

Hinsichtlich den Vorschriften für Statik, Brandschutz und Schallschutz haben wir das mit vergleichbarer Bausubstanz vertraute Ingenieur-Büro für Baustatik, Wolf Metzler zur Begut-achtung beauftragt. Das Ergebnis der Untersuchungen ist insgesamt positiv ausgefallen. Das Gutachten ist als Anlage beigefügt.

Alle erforderlichen baulichen Maßnahmen bezüglich Brandschutz und Fluchtwegen sowie den hier zur Anwendung kommenden Auflagen der Versammlungsstätten-Verordnung lassen sich im Rahmen der geschätzten Baukosten erfüllen.

Wir bestätigen hiermit, daß das ehemals militärisch genutzte Wirtschaftsgbäude Nr. 037 optimale Vorraussetzungen für die geplante kostengünstige Umnutzung zum Stadtteilzentrum bietet.

Für weitere Informationen und Detailfragen stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
Bobby J. Glatz, Freier Architekt
Christoph Klumpp, Dipl. Ing. Arch.
Freiburg, den 17.12.1999